Bodenordnungsanalyse

Das Bundesland Thüringen betreibt seit vielen Jahren eine konsequente Modernisierung der Verwaltungsprozesse. In diesem Kontext ist das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz u.a. verantwortlich für die Verwaltungsmodernisierung der in seinem Geschäftsbereich ressortierenden drei Ämter für Landentwicklung und Flurneuordnung.

 

Bei modernen Dienstleistungsbehörden muss neben der Effizienz des Verwaltungshandelns insbesondere die Effektivität staatlicher Leistungen im Mittelpunkt stehen. Neben einem operativen Controlling-Instrumentarium bedarf es daher strategischer Instrumente zur Behördensteuerung, um für einzelne Verwaltungsmaßnahmen gesamtwirtschaftliche Wirkungsbeiträge messen und steuern zu können.

 

Die Kenntnis gesellschaftlicher Wirkungen ist auf Ebene der Verwaltung erforderlich, da der Abstraktionsgrad politischer oder gesetzlicher Rahmenvorgaben einer durch die Verwaltung vorzunehmenden Ausführungskonkretisierung bedarf, wobei die in diesem Rahmen zu nutzenden Spielräume konkrete Gemeinwohlwirkungen haben können. Ferner führen begrenzte personelle und sachliche Ressourcen in der Verwaltung bei gleichzeitig steigenden Aufgaben zu der Notwendigkeit, Prioritäten bei der Durchführung zu setzen, was wiederum Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Nutzen hat. Eine Optimierung der im Rahmen der Ausführungskonkretisierung und der Priorisierung gegebenen Spielräume ist aber genauso wie eine langfristige Prozessverbesserung nur in Kenntnis der gesamtgesellschaftlichen Wirkung möglich, da letztlich diese die objektive Effektivität von Maßnahmen und damit das controlling­relevante Ziel prägt.

 

Vor diesem Hintergrund strebt das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz eine differenzierte Analyse der Wirkungsbeiträge der ÄLFs an. Hierzu soll der gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungsbeitrag (integrierte Kosten- und Wirkungsanalyse) von Bodenordnungsverfahren der ÄLFs untersucht werden, um – auch ggf. unter zur Hilfenahme von ausgewählten Musterverfahren – zukünftig eine Prognose (ex ante) der mit einem einzuleitenden Verfahren potenziell verbundenen Bearbeitungsaufwand (d.h. Kosten) und Wirkungen bereits vor Verfahrenseinleitung zu ermöglichen.  Die dazu zu entwickelnden Prognose-formeln für Kosten und Wirkungen der Flurbereinigung sollen anschließend in einer Softwareanwendung hinterlegt werden, damit die Projektergebnisse zukünftig eigenständig und durchgängig für die Verwaltung anwendbar sind.

 

Im Anschluss an die konzeptionellen Arbeiten wird das wirkungsorientierte Controlling von Bodenordnungsverfahren durch die Implementierung eins web-gestützten Dokumentationswerkzeuges unterstützt (vgl. Anlage). Hiermit gelingt zukünftig die Identifikation und Abschätzung wesentlicher Verfahrenswirkungen in Abhängigkeit verfahrensspezifischer Parameter. In Kombination mit den aufzubauenden Kostenprognoseformeln kann so langfristig eine Priorisierung von Verfahren nach Kapazitäts- und Wirkungsgesichtspunkten erfolgen. Die Prognoseformeln für Kosten und Wirkungen sollen in einer Web-Anwendung (php-Programmierung und MySQL Datenbank) hinterlegt werden, so dass die Eingaben und Berechnungen eigenständig durch die ÄLFs vorgenommen werden können. Gleichzeitig wird die Webanwendung zentral administrierbar sein, so dass auch Anpassungen an den hinterlegten Prognose-formeln und Bewertungsparametern (z.B. Gewichtung, Merkmalsausprägungen etc.) selbständig vorgenommen werden können.

 

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Softwaretechnische Umsetzung des Prognosemodells

 

Die Kalkulation von Verfahren und die Erfassung der notwendigen Daten soll sowohl dezentral als auch zentral unter Berücksichtigung spezifischer Berechtigungskonzepte erfolgen können. Darüber hinaus können in Abhängigkeit der Berechtigung zentral wie dezentral Einzelverfahren oder Verfahrensgruppen ausgewertet werden, um Gesamtnutzenpotenziale oder aber auch verplante Ressourcen zu analysieren.

 

Flankierend zu der Systematik der Wirkungsanalyse sollen ergänzend die aktuell schon bestehenden Checklisten zur Förderinitiative Ländliche Entwicklung (FILET) in die Anwendung integriert werden. So kann auch die sich hieraus ergebende Priorisierung von Verfahrenseinleitungen im Sinne der EU unmittelbar im Kontext der übrigen Verfahrensdaten vorgenommen und abgelegt werden.

 

Die softwaretechnische Umsetzung des entwickelten Prognose-modells erlaubt eine unmittelbare Überführung der erarbeiteten Inhalte in die Anwendungs- und Steuerungsprozesse der ÄFLs. Damit wird die Grundlage für einen umfassenden Verwaltungscontrollingansatz geschaffen, indem sowohl Kosten als auch Nutzen einzelner Flurbereinigungsverfahren einer transparenten Darstellung zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig können die Analysen sowohl vor Verfahrensbeginn (Prognose), verfahrensbegleitend sowie nach Verfahrensabschluss (Evaluierung) erfolgen.


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Dipl.-Wirt.-Inf.

André Böhmer

Jan Killius  



Jan Killius

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